Das Hallauer Aemli, ursprünglich verbreitet im Klettgau und um Schaffhausen wurde in Quellen aus dem Jahr 1937 dokumentiert. Genetische Untersuchungen zeigen, dass es die am weitesten verbreitete Sauerkirschensorte der sogenannten «Aemli»-Typen ist. Trotz seiner früheren Verbreitung ist sein Anbau in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen – wohl auch aufgrund der Veränderungen der Marktsituation. Sauerkirschen wurden in der Schweiz kaum im grossflächigen Erwerbsanbau kultiviert. Ihre grösste Bedeutung lag im kleinräumigen Anbau in auf Selbstversorgung ausgerichteten Hausgärten sowie auf Einzelbäumen in bäuerlichen Betrieben. Dort lieferten sie eine wichtige Grundlage für die Verarbeitung. Mit dem Rückgang dieser Nutzungsform und der zunehmenden Spezialisierung im Obstbau geraten Sauerkirschen immer mehr in den Hintergrund.
Kirschenanbau unter Druck
Der Rückgang der Sauerkirschen steht jedoch auch im Zusammenhang mit den zunehmenden Schwierigkeiten im Kirschenanbau: Die aus Asien eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) stellt seit mehreren Jahren eine grosse Herausforderung dar. Im Unterschied zu heimischen Fruchtfliegen befällt sie auch unbeschädigte, reifende Früchte. Diese werden weich und faulig und sind auch aufgrund des Essiggeschmacks nicht mehr vermarktungsfähig. Aufgrund der raschen Vermehrung der Fliege können innerhalb kurzer Zeit grosse Flächen betroffen sein. Die Folge sind Ernteausfälle sowie ein stark erhöhter Aufwand im Pflanzenschutz. Unbehandelte Kirschen aus dem Bauerngarten sind deshalb heute kaum noch zu finden.
Die Sorte Hallauer Aemli weist Eigenschaften auf, die sie dennoch für den Anbau im Hausgarten geeignet machen: Der Baum bleibt vergleichsweise klein und lässt sich darum gut mit Schutznetzen einpacken. Das Einnetzen gilt derzeit als eine der wirksamsten Massnahmen gegen die Kirschessigfliege, insbesondere dort, wo auf intensiven Pflanzenschutz verzichtet wird.
Auch hinsichtlich der Standortansprüche zeigt sich das Hallauer Aemli robust. Es ist wenig anspruchsvoll, gedeiht auf unterschiedlichen Böden und kommt auch in weniger begünstigten Lagen zurecht. Im Vergleich zu anderen Obstsorten benötigt es weniger sonnige Lagen weshalb es auch an Hausfassaden, sogar nordseitig gepflanzt werden kann. Diese halbgeschützte Lage und der regelmässige Schnitt bieten zugleich Schutz vor Blütenmonilia welche gelegentlich auftreten kann. Da das Hallauer Aemli selbstfruchtbar ist, kann es als Einzelbaum gepflanzt werden, ohne dass weitere Bestäuberbäume benötigt werden.
Superfood aus dem Garten
In den letzten Jahren rücken auch die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe der Sauerkirschen vermehrt in den Fokus der Forschung. Sie enthalten hohe Gehalte an phenolischen Verbindungen und Anthocyanen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung zählen. Studien weisen darauf hin, dass Sauerkirschen entzündungshemmende Eigenschaften besitzen und sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken können. Auch im Sportbereich finden Produkte aus Sauerkirschen Beachtung, da sie die Muskelregeneration unterstützen können.
Ein weiterer natürlicher Inhaltsstoff ist Melatonin, welches eine wichtige Rolle im Tag-Nacht-Rhythmus spielt. Der regelmässige Konsum von Sauerkirschen oder Sauerkirschensaft wird deshalb mit einer verbesserten Schlafqualität in Verbindung gebracht.
Geschmacklich zeichnet sich das Hallauer Aemli durch eine ausgeprägte, herbe Säure mit einem süssen Anteil aus. Die Sorte eignet sich besonders für die Verarbeitung, etwa zu Konfitüre, Saft, Torten, Dörrobst oder sortenreinem Edelbrand. Verbreitet ist auch das Einlegen in Zuckerwasser oder Kirsch, beispielsweise für die Verwendung in der Schwarzwäldertorte. Da Sauerkirschen nicht nachreifen, müssen die Früchte vollreif geerntet werden. In diesem Zustand sind sie empfindlich und sollten rasch verzehrt oder verarbeitet werden.
Mit der Wahl zur Schweizer Obstsorte des Jahres 2026 wollen wir Sauerkirschen wie das Hallauer Aemli wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Wer einen Baum der Sorte Hallauer Aemli pflanzt, entscheidet sich nicht nur für eine ertragreiche, robuste Sauerkirsche, sondern leistet zugleich einen Beitrag zum Erhalt kulturhistorisch wertvoller Obstvielfalt.
Jana Daepp, FRUCTUS
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FRUCTUS, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, ist ein gemeinnütziger Verein mit über 1100 Mitgliedern. Er verbindet Obstfachleute und Obst-Interessierte auf nationaler und internationaler Ebene.
FRUCTUS ist die Kompetenzorganisation für alte Obstsorten und den Hochstamm-Obstbau. Sie beschreibt und bewertet die Eigenschaften von alten Obstsorten im Hinblick auf ihre Nutzung, sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Vielfalt der Obstsorten und trägt dazu bei, die Biodiversität im Bereich Nutzpflanzen zu erhalten.
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Obstsorte des Jahres
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FRUCTUS ist Mitglied von Europom, einem europäischen Netzwerk von pomologisch aktiven Organisationen, die sich um die Erhaltung und Wiederverbreitung von alten, traditionellen Obstsorten bemühen. Seit 1989 wird von einer Mitgliederorganisation jedes Jahr eine grosse internationale Obstsortenausstellung sowie ein Kongress organisiert.
ie von FRUCTUS regelmässig einberufene pomologische Kommission ist mit internationalen Expertinnen und Experten besetzt. Diese unterstützen das Schweizer Team vor allem bei der Identifizierung und korrekten Benennung alter Obstsorten.
Hinweis: Der Über-uns-Text stammt aus öffentlichen Quellen oder aus dem Firmenporträt auf HELP.ch.
| FRUCTUS, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten (Firmenporträt) | |
| Artikel 'Schweizer Obstsorte des Jahres 2026: Hallauer Aemli...' auf Swiss-Press.com |
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