Alle Menschen in der Schweiz sollten jederzeit ein würdiges Leben führen können, unterstrich Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider vor 300 Fachpersonen und Interessierten. Dieser Anspruch entspricht aber angesichts über 700'000 armutsbetroffener Menschen nicht der Realität. Aus Sicht der Sozialministerin sind im Kampf gegen Armut nachhaltige Lösungen gefragt. Die Schweiz nehme ihre Verantwortung ernst. "Der Bund arbeitet mit Kantonen, Gemeinden und der Zivilgesellschaft - unter anderem mit der Caritas - zusammen, um die Entwicklung und Umsetzung wirksamer Massnahmen zu fördern." Baume-Schneider stellte sich im Anschluss an ihr Referat auch Fragen aus dem Publikum.
Ungleichheit in der Schweiz wächst
An der Tagung wurde nach den Bruchstellen und Lücken im sozialen System der Schweiz gefragt. Andreas Lustenberger, Mitglied der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz, betonte die zunehmende Ungleichheit, die auch in der Schweiz festzustellen sei. Während sich die Vermögen immer stärker konzentrierten, hätten viele Haushalte kaum genug zum Leben. "Wächst die soziale Kluft, sinkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Auf Armutsbetroffene wird herabgeschaut, Wohlhabende erfahren soziale Wertschätzung", sagte Andreas Lustenberger. Die Öffentlichkeit müsse deshalb nicht nur über das "Zuwenig", sondern auch über das "Zuviel" diskutieren, damit strukturelle Ungleichheit verringert werden könne.
Wie es sich auf eine Familie auswirkt, von Armut betroffen zu sein, zeigte Claudia Schwarz Farhat auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen auf. Sie lancierte damit die Podiumsdiskussion, in der Strategien gegen die Armut im Zentrum standen. Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard, Präsident der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren, und Patricia von Falkenstein, Nationalrätin Liberal-Demokratische Partei, Basel, diskutierten mit Marco Salvi von Avenir Suisse und Caritas-Direktor Peter Lack.
Anna Koukal vom Bundesamt für Sozialversicherungen stellte die zentralen Erkenntnisse des kürzlich veröffentlichten ersten nationalen Armutsmonitorings vor. Wie die Corona-Krise blinde Flecken der Sozialpolitik aufgezeigt hat, erläuterten Emilie Rosenstein und Naël Froehlich von der Hochschule für soziale Arbeit und Gesundheit in Lausanne. Dass NGOs noch besser als Soziales Frühwarnsystem dienen können, zeigten Oliver Hümbelin und Rulla Sutter vom Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik der Berner Fachhochschule sowie Ismail Mahmoud, Sozialarbeiter bei Caritas beider Basel, auf.
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Caritas Schweiz verhindert, lindert und bekämpft Armut in der Schweiz und weltweit in rund 20 Ländern. Caritas Schweiz ist ein eigenständiger Verein mit Sitz in Luzern und Mitglied des internationalen Caritas-Netzwerks, das weltweit 160 Organisationen umfasst.
Gemeinsam mit den Regionalen Caritas-Organisationen setzt sich Caritas Schweiz ein für Menschen, die in der Schweiz von Armut betroffen sind: Familien, Alleinerziehende, Arbeitslose, Working Poor. In den Bereichen Armutsbekämpfung und Asyl und Integration bietet Caritas Schweiz vielfältige Angebote.
Weltweit leistet die Caritas Nothilfe bei Katastrophen und engagiert sich im Wiederaufbau. Mit ihren Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit setzt sich die Caritas in den Bereichen Einkommen, Klima und Migration für Kinder und Erwachsene ein.
Die Caritas steht ein für eine solidarische Gesellschaft und eine Politik, die auf sozial benachteiligte Menschen im Inland und im Ausland Rücksicht nimmt. Sie engagiert sich mit Analysen und Stellungnahmen zu Klima-, Sozial-, Migrations- und Entwicklungspolitik.
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